Es war einmal… die Gleichberechtigung…

Es war einmal … eine Menge Frauen und Männer, die für eine Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau sorgten. Sich gedanklich mit der Gleichberechtigung anzufreunden, fällt vielen Menschen noch schwer. Zwar werden immer mehr Gesetze erlassen, doch in den meisten Köpfen ist es noch nicht ganz angekommen. Wie das Denken die Gleichberechtigung beeinflussen kann, liebe Leser, lest gerne hier … 

Zum Glück haben Frauen und Männer vor unserer Zeit sich dazu berufen gefühlt, für eine Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau zu sorgen. Schon die Tatsache, dass es gesetzlich geregelt werden muss, dass Menschen gleichberechtigt sind, finde ich schon absurd genug. Erstaunlich ist es, wie “jung” die Gesetze sind.  

Hier ein kleiner Ausschnitt, wozu die wunderbaren Menschen beigetragen haben:   

  • Der Mann durfte die “ehelichen Pflichten” von der Frau fordern, notfalls mit Gewalt. Erst seit 1997 ist eine “Vergewaltigung in der Ehe” strafbar. 
  • Bis in den 1970er Jahren war eine Scheidung für Frauen undenkbar. Die Frau wurde schuldig gesprochen und stand mit der Schande und ohne Unterhalt da. Geschiedene Frauen kamen sehr schlecht an einen Arbeitsplatz. Erst 1975 wurde der Frau Unterhalt nach Scheidung zugesichert. Seit 1977 ist die Schuldfrage für das “Aus der Ehe” zudem zur Geschichte geworden.   
  • Andersdenkende und/oder intelligente Menschen hatten keine Chance, den Gesundheitsämtern zu entkommen. Wer unbequem war, wurde in einer Psychiatrie “weggesperrt”. Wer drin war, kam nicht wieder raus. Viele von ihnen verhungerten, verwahrlosten und starben schlussendlich. Ganz besonders schlimm traf es Frauen, denn bis in den späten 1960er wurde ihnen schnell Hysterie “angedichtet”. 
  • Seit 1918 dürfen Frauen an der Wahl teilnehmen. 
  • Erst 1977 war es gestattet, dass beide Ehegatten berechtigt sind, erwerbstätig zu sein. Vorher durfte die Frau nur arbeiten gehen, wenn Kinder, Haushalt und Ehegatte versorgt sind und mit Zustimmung des Mannes. Wenn der Gemahl meinte, die Gattin würde ihren Pflichten nicht nachkommen, konnte er beim Arbeitgeber die Kündigung fordern.  
  • Seit 1963 dürfen Frauen ein Bankkonto eröffnen und erst 1969 wurde der Ehefrau die vollständige Geschäftsfähigkeit zugesprochen.  
  • In der “höheren Töchterschule” würden wir weiterhin die Erziehung “gefälliger Gattinnen” und “geschickter und züchtiger Hausfrauen” genießen dürfen. Die Werbung in den Medien für Haushaltsprodukte waren bis in den 1970er Jahren genau darauf ausgerichtet. 

Erst im Jahr 1994 wurde im Grundgesetz der folgende Satz ergänzt: „Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.“ 

Frauen in anderen Kulturen   

Andere Kulturen sind leider noch nicht so weit fortgeschritten, doch auch dort wird sich im Laufe der nächsten Jahrzehnte sicherlich etwas tun. Denken wir an Saudi-Arabien. In dem Land haben erstmals im Jahr 2018 Frauen einen Führerschein erhalten.  

Noch heute gibt es Kulturen, in denen Mädchen mit elf Jahren verheiratet werden. Vergewaltigung in der Ehe ist geduldet. Es wird dem Mann hoch angerechnet, dass er sich seine Rechte holt und die Frau “gefügig” macht. Selbst die Mädchen, die in Deutschland geboren sind, werden einem ihr unbekannten Mann versprochen und sind dann “verschwunden”. Es gibt junge Frauen, die nie eine Schule besucht haben und weder lesen noch schreiben können, weil es sich nicht lohnt, Mädchen zu unterrichten. 

Wenn wir hier bedenken, dass es in anderen Kulturen noch eine ganz andere Zeitrechnung gibt, ist es kein Wunder. Der Islam, zum Beispiel, schreibt das Jahr 1442. Was Frauen in anderen Kulturen erleben, wurde im Mittelalter gelebt.  

Umsetzung der Gleichberechtigung

In der systemischen Arbeit gehen wir fünf bis sieben Generationen zurück, um zu schauen, woher manche Konflikte oder Ungereimtheiten, die sich in unserem Leben zeigen, kommen. Oft sind wir uns dessen gar nicht bewusst, dass wir das Denken, Fühlen und Handeln, kurz gesagt, das Verhaltensmuster unserer Vorfahren einfach übernommen haben. Es wird behauptet, es liegt uns in den Genen. 

So wird von Generation zu Generation unbewusst durch unsere Erziehung die Verhaltensmuster unserer lieben Vorfahren auf uns übertragen. Manche Verhaltensmuster überspringen auch eine Generation. Doch eins haben sie gemeinsam: Wir nehmen diese ungefragt auf und leben danach.  

Wenn wir heute fünf bis sieben Generationen zurückgehen, wird es sicherlich auch fünf bis sieben Generationen dauern, bis sich neue Denkweisen in unsere Nachkommen manifestiert hat.   

Eine Generation wird mittlerweile mit dreißig Jahren bemessen. Nach Adam Riese und Eva Klein wären wir bei einhundertfünfzig bis zweihundertzehn Jahre, die es dauert, bis sich ein neues Denken manifestiert hat. 

Der Hammer, oder?  

Liebe Leser, rechnet mal nach. Wenn die Gesetze erst im letzten Jahrhundert erlassen wurden… genau… muss ich wohl nicht vorrechnen.  

Gleichberechtigung Leben 

Dieser Beitrag ist entstanden, als ich alleine drei Wochen durch Deutschland reiste. Wie auch in den vergangenen Jahren bin ich von vielen Menschen darauf angesprochen worden. Mir gegenüber wurde geäußert, natürlich nicht von allen, die ich kennenlernen durfte, dass es nicht geht, als Frau alleine zu reisen. Diese Aussagen waren weder an Geschlecht noch an Alter gebunden, es war alles vertreten. Es hat mich ein wenig entsetzt, wie wenig die Gleichberechtigung von Frauen und Männern gelebt wird.  

Gleichberechtigung beginnt nicht mit Gesetzen, mit Kampf oder mit Gegenwehr. Sie beginnt im Herzen. Wie schon gesagt: Allein schon die Tatsache, dass wir Gesetze brauchen, um als Mensch, egal was für ein Geschlecht, gleichberechtig zu leben, ist vom Herzen her schon absurd.   

Wenn wir schon Gesetze für die Gleichberechtigung haben, dann lass uns doch alle in neuen Mustern denken, fühlen und handeln. Solange wir uns zurücklehnen und die Verhaltensmuster unser Vorfahren weiterleben, wird es nichts mit der Gleichberechtigung. Wenn wir weiter mit unseren alten Traditionen und Ritualen darauf hinweisen, dass die Frau keine Rechte hat, dann wird es aus so manch einen Kopf nicht verschwinden und somit an die nachfolgende Generation weitergetragen.  

Albert Einstein wird nachgesagt, dass er folgenden Satz geäußert hat:

„Die Definition von Wahnsinn ist, immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten.“

 

 

FAZIT

Die Hände in den Schoß legen und abwarten, bis uns die Regierung die Erlaubnis für ein gleichberechtigtes Leben gibt, hat wenig Sinn. Wir können nur alle dazu beitragen, indem wir unser Denken, Fühlen und Handeln anpassen. Damit es auch in diesem Märchen heißt … und sie lebten glücklich und zufrieden bis an ihr Lebensende. 

 

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