„Und täglich grüßt das Murmeltier“: der Berufsverkehr 

Jeden Morgen sind Schlafgeher, Schlafradler oder Schlaffahrer in Scharen im Berufsverkehr unterwegs. Wer dabei die goldene Regel nicht beachtet, kann sich auf einiges gefasst machen…  

Wer sich morgens auf den Weg zur Arbeit oder zur Schule befindet, hat wirklich nichts zu lachen. Gerade im morgendlichen Berufsverkehr gilt eine besondere Regel, die da lautet:   

  • Wecke keinen Verkehrsteilnehmer, der sich auf dem Weg zur Arbeit oder Schule befindet, auf!  

Diese goldene Regel sollte tunlichst eingehalten werden. Denn viele Verkehrsteilnehmer sehen den Weg zur Arbeit oder Schule als einen „verlängerten Arm ihres Bettes“ an und plumpsen direkt aus ihrer Ruhestätte in den morgendlichen Berufsverkehr.  

Damit Du Dich an die goldene Regel halten kannst und sicher im morgendlichen Berufsverkehr von A nach B kommst, habe ich hier einige Erkennungsmerkmale zusammengefasst.  

Der Schlafgeher 

Den Schlafgeher erkennst Du daran, dass er seinen Blick verbissen nach unten auf den Weg gerichtet hat und in voller Konzentration einen Fuß vor den anderen setzt. Dabei nutzt er sehr gerne die Fahrradwege, denn diese sind meistens in einer rötlichen Farbe gepflastert und zeigen ihm somit den Weg. Die sehr breiten Fußgängerwege reichen einfach nicht aus, denn dort könnte ihm ein anderer Schlafgeher begegnen, was für ihn störend wirkt.  

Sollte ein anderer Verkehrsteilnehmer die Unverschämtheit besitzen, zum Beispiel mit einer Fahrradklingel, ihn zu wecken, richtet sich der Schlafgeher mit einer finsteren Miene auf und fängt an den Störenfried mit üblen Worten zu beschimpfen. Er liebt es, in Ruhe gelassen zu werden.  

Schlafgeher versammeln sich gerne an den Schlafgeher-Sammelstellen, um dort von einem fahrbaren Untersatz mitgenommen zu werden. Ungeduldig blicken sie in die Richtung, aus der der Transporter kommen soll. Viele stellen sich gerne auf den Fahrradweg, einige sogar auf die Straße, damit sie besser mit ihrem Blick den Transporter „herbeibeamen“ können.   

Der Schlafradler   

Es ist verwunderlich, dass der Schlafradler trotz eigenen Muskelantrieb auf den Fahrradwegen, die eher als „Schwangerschaftsabbruchsfahrradwegen“ oder anders gesagt als „Bandscheibenvorfallförderndenfahrradwegen“ umbenannt werden sollten, noch träumerisch vor sich hin petten können. Doch so ist es.  

Ein besonderes Erkennungsmerkmal ist, wenn der Schlafradler bei „Kirsch Grün“ über die Ampel rast, schwer nach dem Motto: „Ging gestern auch gut, da kam auch kein motorisierter Weggeselle.“  

Sollte der Schlafradler durch einen motorisierten Weggesellen angehupt werden, wird er schlagartig wach. Dabei kommuniziert er mit einer weniger freundlichen Art und Weise mit dem Störenfried.  

Der ganz schlaue Schlafradler hat sich was ganz Tolles einfallen lassen. Damit er Inkognito seinen Weg beradeln kann, lässt er einfach sein Licht aus. So kann er ganz unauffällig zur Arbeit / Schule kommen und wird weder angehupt noch vom Schlafgeher ausgeschimpft.    

Das Rechtsfahrgebot wird oft zum Linksfahrgebot. Wenn ein Schlafradler dem anderen entgegenkommt, ist es schwer im Vorfeld zu erkennen, wer rechts und links verwechselt. Je näher sich die Schlafradler kommen, umso offensichtlicher wird es, wie aneinander vorbeigefahren wird. Das so mancher Aufprall vermieden wird, ist dem Glück zu verdanken.  

Schlaffahrer   

Der Schlaffahrer sind nach Gefährt zu unterscheiden.  

Blechkisten mit vier Rädern, Größe egal 

Damit der Schlaffahrer während des Berufsverkehrs seine Zeit sinnvoll nutzen kann, hat die Automobilindustrie besondere Erfindungen ins Vehikel eingebaut:

  • Den Rückspiegel 

Der Schlaffahrer kann sich auf den Weg zur Arbeit oder Schule rasieren, schminken, seine Zähne putzen oder Sonstiges der Morgentoilette tätigen.  

  • Die “Stauauflösehupe” 

Sollte der Schlaffahrer in einen Schlaffahrer – Stau geraten, nutzt er die eigens dafür eingebaute „Stauauflösehupe“ um den Stau rasch wieder aufzulösen. Damit er seine Arbeit nicht alleine verrichten muss, helfen ihm die anderen Schlaffahrer gerne und steigen in ein wunderbares „Hupkonzert“ ein. Schließlich will jeder zeigen, was für eine schöne „Stauauflösehupe“ er hat. Sollte kein Stau vorhanden sein, findet sich immer etwas zum behupen.  

  • Die Halterungen 

Ein weiterer Vorteil sind die extra eingebauten Halterungen für seinen Kaffee- oder Teebecher, sodass er sein Frühstück während der Fahrzeit einnehmen kann. Damit hat der Schlaffahrer seine Hände noch für die “Stauauflösehupe” und Morgentoilette frei.  

Doch ich möchte auch die guten Seiten erwähnen, denn manche Schlaffahrer helfen dem Schlafradler gerne. Sie parken dafür ihren Wagen auf den Fahrradwegen. Somit muss der Schlafgeher gezwungener weise den Fahrradweg verlassen, sodass der Schlafradler freie Fahrt hätte, wenn da nicht…  

Maschinen auf zwei Rädern, Größe egal

Dieser Weggenosse ist meistens sehr gut dran. Er kann sich morgens wunderbar durch den Berufsverkehr „schlängeln“, ohne Rücksicht auf Verluste. Dabei ist es ihm egal, wo er fährt, zur Not auf dem Fahrradweg, Hauptsache er kommt schnell an.  

Fahrbare Untersätze auf mehreren Rädern, Groß, Größer am Größten 

Da der Schlaffahrer seine wertvolle Fracht flott über die Straßen bewegen muss, hat er den Vorteil, dass die Straßenkreuzerindustrie eine „Jederzeit Vorfahrt“ eingebaut hat. Somit muss er sich keine Gedanken um die Verkehrsordnung machen.  

Diejenigen die ihre wertvolle Fracht an den Schlafgeher – Sammelstellen aufnehmen, haben es besonders eilig, damit sie ihren Zeitplan einhalten können. Dafür nehmen sie gerne die Fahrgäste während der Fahrt auf. Er fährt dicht an den Schlafradler ran, damit dieser nur noch „aufspringen“ muss. Wenn ein Schlafradler keine Lust dazu hat, braucht er schon eine große Portion Reaktionsvermögen, um dem Einfangen zu umgehen.  

Rauchzeichen und Wegmarkierungen

Zur morgendlichen Kommunikation und Wegmarkierungen werden Rauchzeichen abgegeben.  

Um eine größere Reichweite der Rauchzeichen zu erreichen, hat die Tabakmaffia ein besonderes Gerät auf den Markt gebracht. Zur allgemeinen Zufriedenheit kann nun der „Dampfer“ seine Mitmenschen so einnebeln, dass sie sich selber keine mehr anzünden brauchen.  

Während der „Dampfer“ sein Gerät immer an Bord hat, darf der „Qualmer“ seine Zigarettenstummel noch entsorgen.  

Der Schlafgeher macht ein Spielchen daraus: Er schnippt den Zigarettenstummel einfach vor sich auf den Weg und versucht sie auszutreten. Oftmals muss er feststellen, dass er eine zu kleine Schuhgröße hat und die Zigarettenstummel ausglühen lassen muss. Damit Kinder und Tiere nicht in die Glut treten, stellt er ein Warnhinweisschild auf.   

Der Schlafradler hat es schon einfacher. Durch seine Bewegung hat er mehr Schwung und kann seine Zigarettenstummel weiter weg auf Gehwegen, Straßen oder wenn er sehr geübt ist, in die Vorgärten schnipsen. Sein Motto ist „aus den Augen aus dem Sinn“ wodurch sich ein Austreten erübrigt.   

Der Schlaffahrer hat zwar wunderbare „Stauauflösehupen“, Rückspiegel und Halterungen in seine Benzinkutsche eingebaut bekommen, doch oft wird vergessen, einen Aschenbecher mitzuliefern. Um seine Zigarettenstummel dennoch zu entsorgen, schnippt er sie lässig aus dem Seitenfenster in den großen Aschenbecher, die überall auf der Straße zu finden sind.    

Die Schlafradler und Schlaffahrer schauen gerne, der durch Fahrtwind erzeugten Zigarettenglut nach. Sollte ein Verkehrsteilnehmer die Zigarettenglut ungeschickterweise mit seinem Auge oder seiner Jacke aufgefangen haben, ist der Erzeuger sehr erbost, dass seine Glühwürmchen nicht weitergeflogen sind, und kommentiert dieses mit nicht jugendfreien Wörtern.  

  

Liebe Leser, natürlich ist das alles ein wenig „überspitzt“ dargestellt und kann nicht verallgemeinert werden.  

Ebenso gibt es noch viel mehr Verkehrsteilnehmer, die wunderbare Beispiele liefern könnten.  

  

Für mich stellt sich nur die Frage:  

Warum sind so viele Menschen noch am Schlafen, wenn sie sich auf den Weg zur Arbeit oder Schule machen?  

Ich rede nicht von Verkehrsteilnehmern, die einen schlechten Tag haben und dadurch eventuell einen Fehler machen, sondern von denjenigen, die täglich direkt aus dem Bett in den Berufsverkehr plumpsen. Von denjenigen, die meinen, ihren Müll einfach auf der Straße zu entsorgen.  

Wenn sie sich nur selber gefährden und ihre schlechte Laune für sich behalten, soll mir das egal sein. Jeder darf sein Leben so gestalten, wie er will.  

Nur gefährden und beschimpfen sie auch andere Menschen. Das Blöde an der Sache, manche wachen gar nicht auf und / oder spielen ihre Machtspiele und vergessen dabei wie leichtsinnig sie mit anderen Menschenleben umgehen.  

Viele nehmen an der Diskussion unserer Umweltverschmutzung teil. Das ist gut, solange sie nicht selber dafür sorgen, dass diese Diskussion am Leben gehalten wird, indem sie fleißig ihren Müll auf den Straßen entsorgen.      

 

Nun stellen wir uns mal vor, wie es wäre…  

… wenn alle Menschen ausgeschlafen in den Berufsverkehr starten würden. Was für eine muntere und freundliche Gesellschaft wäre da unterwegs. Mit was für eine Fröhlichkeit würden wir unseren Tag erleben.   

… wenn alle Menschen ihren Müll in die dafür vorhandenen Mülleimer entsorgen würden. Was für saubere Geh- und Fahrwege hätten wir.  

  

Realisierbar?  

Nur eine halbe Stunde, lieber Leser überlege mal, dreißig Minuten eher aufstehen, um den Tag zu begrüßen. Schließlich ist es nicht selbstverständlich, dass wir jeden Morgen aufwachen.  

Sich in Ruhe aufzuhübschen, ein Glas Wasser trinken, wer mag noch eine Tasse Kaffee oder Tee, nach Bedarf ein Stück Obst oder was er mag, und dann fröhlich gestimmt und vor allen Dingen WACH auf den Weg machen.  

Wenn jeder in seiner Verantwortung bleibt und mit dem Machtgerangel auf den Straßen und Wegen aufhören würde, sich einfach liebevoll auf den Weg macht, der wird natürlich viel fröhlicher und zufriedener von A nach B kommen. 

Derjenige geht als gutes Vorbild vorweg und kann andere in seiner Umwelt mitziehen und die motivieren wieder mehr Menschen.  

Das jeder dafür sorgen kann, seinen Müll nicht einfach achtlos auf die Straße zu werfen, ich glaube das ist jedem klar, oder?

Lieber Leser, warum also nicht einfach anfangen? Machst Du mit?  

  

Schreibt gerne ein Kommentar, ich bin gespannt wie ein Flitzebogen, welche Erfahrungen Ihr gemacht habt. 

Natürlich gilt auch hier, wer Anregungen hat oder mit mir Kontakt aufnehmen möchte, ist herzlich dazu eingeladen.

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