Klischee Denken der Körpersprache

Wenn wir einem Menschen zum ersten Mal begegnen, sind wir der Meinung, ihn an seiner Körpersprache analysieren zu können. Die Tatsache, dass wir nicht wissen, woher er kommt, geschweige denn wohin er gehen möchte, ignorieren wir einfach. Wir sind ja schließlich gebildet und wissen, was die eine oder andere Körperhaltung zu bedeuten hat. Ist es wirklich so? Das liebe Leser*innen, lest gerne hier … 

Als ich vor einigen Jahren einen Vortrag von Stefan Verra* gehört habe, war der erste Gedanke: 

 “Endlich räumt da jemand auf mit dem ganzen Klischee Denken über Körpersprache”  

 

Auf der Bühne erzählte Stefan Verra*:  

“In einem Vortrag bat ich einen Mann auf die Bühne, um zu zeigen, wie unterschiedlich Menschen aufeinander zugehen können und sich mit einem Händedruck zu begrüßen. Dieser Mann war groß und stark und ich dachte noch, der hat mit Sicherheit einen festen Händedruck. Doch der Händedruck war ganz anders als erwartet – er war lasch. Natürlich sprach ich ihn darauf an und er erklärte, er habe seinen Arm verletzt und könnte überhaupt nicht mehr mit der Hand zu drücken.” * (Aus dem Gedächtnis wiedergegeben)  

Herr Stefan Verra* gab zu, den Mann in seine Schublade “Groß – Stark – Fester Händedruck” gesteckt zu haben, ohne darüber nachzudenken. 

Meine erste Begegnung mit dem Klischee Denken der Körpersprache

Vor 20 Jahren hatte ich ein Rückenleiden, dass dafür sorgte, dass ich 24 Stunden am Tag Schmerzen hatte. Jede Bewegung tat im ganzen Körper weh, selbst wenn ich ein Glas Wasser trank. Die Diagnose der Ärzte lautete, dass ich in 10 Jahren in einem Rollstuhl sitzen würde. (Ich sitze in keinem Rollstuhl und mein Rückenleiden ist auch nicht mehr da – doch das ist eine andere Geschichte)  

Zurück zum Text:  

Wenn ich etwas länger auf einen Stuhl saß, musste ich mich beim Aufstehen erst “sortieren” und dann schnell losgehen. Ansonsten wäre ich eingeknickt und hätte nicht mehr vorwärts gekonnt. Das blieb meinem Umfeld nicht verborgen. Die Interpretation meiner Mitmenschen war folgende:  

  • Robust, überhaupt nicht weiblich. 
  • Ich mache anderen Angst. 
  • Mein Auftreten zeigt, dass alle aus dem Weg gehen müssen, wenn ich komme. 
  • Viel zu hektisch. 
  • Eingebildet und arrogant. 

Dabei war es die einzige Möglichkeit, von dem Stuhl aufzustehen und zu gehen.  

Die Aussagen hatten mich sehr getroffen. Wer sowieso schon “angeschlagen” ist, hat dem wenig entgegenzusetzen. Mit 30 war ich noch nicht soweit zu erkennen, dass Menschen dem Klischee Denken der Körpersprache ausgesetzt sind. 

 

Begegnungen sind Momentaufnahmen

Diese Beispiele zeigen, dass wir sofort den Menschen gegenüber in eine Schublade stecken, obwohl wir gar nicht wissen, woher er kommt und wohin er geht. 

Selbst diejenigen, die sich mit der Körpersprache intensiv auseinandersetzen, wie Herr Stefan Verra*, sind davor nicht geschützt. 

Seien wir uns dessen bewusst, jede Begegnung ist eine Momentaufnahme. 

Mit Sicherheit nehmen wir eine andere Körperhaltung ein, wenn wir uns bedroht fühlen oder wenn wir Angst haben. Doch muss es nichts mit der Begegnung in dem Moment zu tun haben.

Genauso umgekehrt, wenn Dir ein Mensch fröhlich gestimmt gegenübertritt, muss es nicht zwangsläufig etwas mit Dir zu tun haben. 

Nach der allgemeinen Meinung, wie Körpersprache zu interpretieren ist und somit dem Gegenüber richtig einzuschätzen – gelingt in den wenigsten Begegnungen. Es sind nur Vermutungen – mehr steckt da nicht drin. 

Wenn wir uns dem Klischee Denken der Körpersprache hingeben, stellen wir Forderungen an dem Gegenüber und zwangsläufig an uns selbst. Denn auch wir selbst wollen in keine Schublade gesteckt werden, in der wir nicht gehören. Das ist anstrengend und kostet Energie, die wir sinnvoller einsetzen können. 

Begegnungen auf der Ebene des Herzens

Wenn wir einem Menschen auf einer ganz anderen Ebene kennenlernen würden – die Ebene des Herzens – dann würden mit Sicherheit ganz andere Begegnungen entstehen.  

Der Druck, sich nach außen hin zu präsentieren, wie andere es gerne hätten, wäre damit vorbei. Es würden viele Masken fallen und die wahre Natürlichkeit zur Geltung kommen.  

Wir würden uns in unserer Einzigartigkeit kennenlernen.  

Ich finde – es lohnt sich.

 

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